{"id":1452,"date":"2021-10-23T15:00:31","date_gmt":"2021-10-23T13:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1452"},"modified":"2021-10-23T15:01:01","modified_gmt":"2021-10-23T13:01:01","slug":"interview-mit-hardy-kettlitz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1452","title":{"rendered":"Interview mit Hardy Kettlitz"},"content":{"rendered":"<p><strong>von Bernd Joo\u00df<\/strong><\/p>\n<p>[Das nachfolgende Interview f\u00fchrte Bernd Joo\u00df im Fr\u00fchjahr 2021 mit Hardy Kettlitz f\u00fcr die Zeitschrift <em>phantastisch!<\/em>, wo es in Ausgabe 83 erschien.]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Hardy_Kettlitz_kl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1454\" src=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Hardy_Kettlitz_kl-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1319\">Hardy Kettlitz<\/a> ist ein Name, \u00fcber den sicher viele Leser der <em>phantastisch!<\/em> schon einmal gestolpert sind, selbst wenn sie nicht wissen, wer genau sich dahinter verbirgt.\u00a0Hardy Kettlitz wurde 1966 in Angerm\u00fcnde (jetzt Brandenburg) geboren, lebt jedoch seit 1969 in Berlin und tummelt sich seit etlichen Jahren in der deutschen Phantastik-Szene. Er war Mitbegr\u00fcnder des ostberliner SF-Clubs Andymon (1985) und Herausgeber des ersten offiziell offsetgedruckten DDR-Fanzines <em>tranSFer<\/em> (ab 1987). Neben seiner T\u00e4tigkeit als Redakteur und Herausgeber ist er aber vor allem f\u00fcr seine herausragende Arbeit bei der Buchgestaltung bekannt, wie z. B. f\u00fcr das Magazin ALIEN CONTACT und die Verlage Festa und Golkonda. Anfang 2020 ging er mit seinem eigenen Verlag Memoranda an den Start. H\u00f6chste Zeit, um mit ihm \u00bbein ernstes W\u00f6rtchen\u00ab \u00fcber Science Fiction, die Buchbranche und alles was sonst noch dazu oder nicht dazu geh\u00f6rt zu sprechen.<\/p>\n<p><strong>Hallo Herr Kettlitz! Ihre beruflichen Stationen sind sehr abwechslungsreich, sie reichen vom Buchgestalter \u00fcber Chefredakteur zu Herausgeber und Verleger. Erz\u00e4hlen Sie doch mal etwas zu Ihrem Werdegang!<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/ALIEN-CONTACT_C42.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1455\" src=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/ALIEN-CONTACT_C42-214x300.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/ALIEN-CONTACT_C42-214x300.jpg 214w, https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/ALIEN-CONTACT_C42.jpg 712w\" sizes=\"(max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><\/a>Mein beruflicher Werdegang sieht eigentlich ganz anders aus. Nach einem erfolgreichen Wirtschaftsinformatikstudium war ich ein paar Jahre in einem westberliner Wirtschaftsverlag zuletzt als Redaktionsleiter, eine Zeit lang beim Tagesspiegel und dann zwei Jahrzehnte in einem Baufachverlag, davon sehr viele Jahre als Projektmanager f\u00fcr den Messekatalog der gr\u00f6\u00dften deutschen Immobilienmesse. Seit 2016 leite ich die Herstellung beim Festa Verlag und sorge daf\u00fcr, dass aus Manuskripten B\u00fccher werden. Die von Ihnen genannten T\u00e4tigkeiten habe ich in meiner Freizeit ausge\u00fcbt, was den unschlagbaren Vorteil hat, dass ich mich dabei mit Projekten besch\u00e4ftigten kann, die mir pers\u00f6nlich wichtig sind und auch Spa\u00df machen. Das Magazin ALIEN CONTACT, das ich von 1990 bis 2005 als Text- bzw. Chefredakteur betreut und die meiste Zeit layoutet habe, war dabei sehr wichtig f\u00fcr mich, weil ich viel \u00fcber Textarbeit und Gestaltung gelernt habe.<\/p>\n<p><strong>Herausragend ist Ihre Arbeit als Buchgestalter, die Typografie und das Layout von B\u00fcchern, wie kam es zu dieser Liebe?<\/strong><\/p>\n<p>Ich mag sch\u00f6ne B\u00fccher. Und wenn ich selbst die M\u00f6glichkeit habe, an einem Buch mitzuwirken, dann m\u00f6chte ich auch, dass es der Leser gern zur Hand nimmt.<\/p>\n<p><strong>Wie gehen Sie bei der Gestaltung eines Buches vor, auf was achten Sie dabei am meisten und wie gelangen Sie zu der Entscheidung, welche Schrift und welches Layout das richtige ist?<\/strong><\/p>\n<p>Das Aussehen eines Buches ist nie die Entscheidung eines einzelnen, da gibt es \u00dcberlegungen der Verleger\/innen oder Herausgeber\/innen, der Titelbildgestalter\/innen, oftmals auch des Marketings. Besonders gern arbeite ich mit der gro\u00dfartigen Grafikerin <a href=\"https:\/\/benswerk.com\/\">benSwerk<\/a> zusammen, die anscheinend \u00fcber unersch\u00f6pfliche Kreativit\u00e4t verf\u00fcgt. Von den fast 800 B\u00fcchern, die ich bisher gesetzt und gestaltet habe, sind weit \u00fcber 100 gemeinsam mit ihr entstanden.<\/p>\n<p>Schrift und Layout sollten m\u00f6glichst zum Inhalt des Buches passen, aber trotzdem dem Leser den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Lesekomfort bieten, aber auch \u00e4sthetisch ansprechend sein. Der eigentliche Schriftsatz ist keine Kunstform, sondern eher ein Handwerk, bei dem es Traditionen und Regeln gibt, die man kennen und beachten sollte.<\/p>\n<p><strong>Welches Buch war in Ihrer langen Karriere das Herausforderndste bei der Gestaltung?<\/strong><\/p>\n<p>Da fallen mir spontan drei Titel ein: Zum einen das SF-Magazin PANDORA, das von 2007 bis 2009 im Shayol Verlag erschienen ist \u2013 da hatte ich weitgehend freie Hand, um mich bei der Gestaltung auszutoben. Zum anderen besonders aufwendig und sch\u00f6n war auch Bram Stokers \u00bbDracula \u2013 Gro\u00dfe kommentierte Ausgabe\u00ab (herausgegeben von Leslie S. Klinger) mit Hunderten von Randnoten und fast 400 Abbildungen, die 2019 bei FISCHER Tor erschienen ist. Sehr sch\u00f6n ist auch das gro\u00dfformatige Buch \u00bbK\u00f6der\u00ab von Chuck Palahniuk bei Festa geworden, das von acht amerikanischen Comic-K\u00fcnstlern illustriert wurde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/gestaltung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1456\" src=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/gestaltung.jpg\" alt=\"\" width=\"680\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/gestaltung.jpg 680w, https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/gestaltung-300x110.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Stoker_3D.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1457\" src=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Stoker_3D.jpg\" alt=\"\" width=\"680\" height=\"448\" srcset=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Stoker_3D.jpg 680w, https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Stoker_3D-300x198.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Hat die zunehmende Digitalisierung auf dem Buchmarkt, speziell in Bezug auf E-Books, Auswirkungen auf die Gestaltung von gedruckten B\u00fcchern? Was sind hierbei die Unterschiede? Und was halten Sie von der Entwicklung?<\/strong><\/p>\n<p>Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gestaltung der gedruckten B\u00fccher kann ich nicht erkennen. Leider ist die Gestaltung von E-Book immer noch in nur sehr begrenztem Ma\u00dfe m\u00f6glich. Das Problem dabei ist die gro\u00dfe Anzahl unterschiedlicher Leseger\u00e4te, seien es herk\u00f6mmliche E-Book-Reader, Tabletcomputer oder Smartphones, zu denen ein E-Book optimal kompatibel sein muss. Wundersch\u00f6ne Layouts, die man z.B. f\u00fcr ein iPad entwickelt, sind wiederum auf einem kleinformatigen Reader mit E-Ink-Display kaum oder gar nicht darstellbar. Der kleinste gemeinsame Nenner f\u00fcr alle \u2013 vor allem auch \u00e4ltere \u2013 Ger\u00e4te ist der bereits 2007 entwickelte Standard EPUB 2.0, und der erm\u00f6glicht leider nicht allzu viele Gestaltungen.\u00a0Daher ist es immer wieder eine Herausforderung, Gestaltungsm\u00f6glichkeiten herauszufinden. Ich pers\u00f6nlich lese gern E-Books, vor allem dann, wenn die zugeh\u00f6rigen gedruckten Ausgaben nicht besonders sch\u00f6n sind.<\/p>\n<p><strong>Denken Sie, dass die Gro\u00dfverlage zu wenig auf die Gestaltung und gute Lesbarkeit ihrer B\u00fccher achten?<\/strong><\/p>\n<p>Gro\u00dfverlage sind vor allem Buchindustrie und damit zahlreichen wirtschaftlichen Zw\u00e4ngen unterworfen. Da muss die Herstellung schnell gehen und darf nicht viel kosten. Man konzentriert sich vor allem bei der Gestaltung auf die Spitzentitel, bei denen man ein Bestsellerpotenzial erhofft. Es kann dann oft vorkommen, dass sich die \u00bbnicht so wichtigen Titel\u00ab sehr \u00e4hnlich sehen oder die Hersteller gar nicht die Zeit haben, jeden Umbruch genauer anzuschauen. Trotzdem haben die Gro\u00dfverlage inzwischen einen ziemlich hohen Standard, was Lesbarkeit und Gestaltung angeht. Defizite sehe ich da eher bei Kleinverlagen und Selfpublishern, die in sehr vielen F\u00e4llen das Handwerk des B\u00fcchermachens nicht beherrschen.<\/p>\n<p><strong>Sie waren lange Mitarbeiter im Golkonda Verlag gewesen, der nun zum Europa Verlag geh\u00f6rt. Leider musste dieser 2019 Insolvenz anmelden. Seitdem ist es um Golkonda recht still geworden. K\u00f6nnen Sie etwas zu dem Stand der Dinge dort sagen?<\/strong><\/p>\n<p>Meine Mitarbeit beim Golkonda Verlag, bei dem ich von Anfang an dabei war, endete im Sommer 2019. In den Monaten davor gab es besorgniserregende Defizite in der Kommunikation, sodass selbst Mitarbeiter manche Entscheidungen der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung erst aus Pressemitteilungen erfahren haben. Das hat sich bisher nicht gro\u00dfartig ge\u00e4ndert, weshalb ich \u00fcber den Stand der Dinge nichts sagen kann.<\/p>\n<p><strong>Schon l\u00e4nger haben Sie innerhalb von Golkonda das Imprint Memoranda verantwortet, das sich auf Sekund\u00e4rliteratur spezialisiert hat. Im Zuge der Umstrukturierung beim Europa Verlag haben Sie den Memoranda Verlag gegr\u00fcndet. Wie kam es zu diesem Schritt?<\/strong><\/p>\n<p>Viele <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=37\">Sekund\u00e4rliteraturprojekte<\/a> habe ich bereits seit 2000 im Shayol Verlag betreut und herausgegeben und bin dann 2015 zu Golkonda gewechselt, mit dem von mir herausgegebenen Imprint Memoranda. Nach dem Verkauf von Golkonda nach M\u00fcnchen gab es schon bald bei der neuen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung wirtschaftliche Erw\u00e4gungen, die meine Entscheidungsfreiheit bei der Buchreihe einschr\u00e4nkten. Zum Gl\u00fcck lagen s\u00e4mtliche Rechte an den Titeln und dem Namen Memoranda bei mir, sodass der Schritt, einen eigenen Verlag zu gr\u00fcnden, nicht allzu schwierig war. Tats\u00e4chlich hat mich der Europa Verlag dabei auch nach Kr\u00e4ften unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Z_Sachbuch4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1084\" src=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Z_Sachbuch4.jpg\" alt=\"\" width=\"680\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Z_Sachbuch4.jpg 680w, https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Z_Sachbuch4-300x110.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Seit der Gr\u00fcndung Ihres eigenen Verlages ver\u00f6ffentlichen Sie auch Romane und Erz\u00e4hlungen und gleichen sich damit dem Golkonda Verlag an. Haben Sie vor, diesen Bereich weiter auszubauen, sozusagen das Werk von Hannes Riffel und dem Golkonda Verlag in seiner urspr\u00fcnglichen Form fortzuf\u00fchren?<\/strong><\/p>\n<p>Memoranda ist um mehrere Gr\u00f6\u00dfenordnungen kleiner als Golkonda, sowohl was die Zahl der Titel als auch die der Mitarbeiter betrifft. Hannes Riffel hat bei Golkonda gro\u00dfartige Arbeit geleistet, damit kann und will ich nicht konkurrieren. Memoranda legt einen gr\u00f6\u00dferen Schwerpunkt auf Sachb\u00fccher. Die Herausgabe der Werkausgaben von <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1336\">Angela und Karlheinz Steinm\u00fcller<\/a> sowie von <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1338\">Erik Simon<\/a> habe ich im Grunde vom Shayol Verlag \u00fcbernommen. Mit <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1321\">Michael Marrak<\/a> zum Beispiel verbindet mich eine inzwischen 25-j\u00e4hrige Freundschaft, die nun auch zu neuen Buchausgaben f\u00fchrt. Golkonda hat au\u00dferdem \u00fcberwiegend \u00dcbersetzungen aus dem Englischen und Russischen ver\u00f6ffentlicht, die bei Memoranda bisher eher die Ausnahme sind.<\/p>\n<p><strong>Eines Ihrer Steckenpferde ist die Herausgabe der Reihe <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=19\"><em>SF Personality<\/em><\/a>, Monografien zum Werk von SF-Autoren. Wie gehen Sie bei der Auswahl vor, und wie gestaltet sich daraufhin die Recherche?<\/strong><\/p>\n<p>Die Reihe gibt es inzwischen seit 1994 und es sind bisher 28 Ausgaben erschienen, 17 B\u00e4nde davon habe ich selbst verfasst oder war daran als Autor beteiligt. Dabei wird f\u00fcr gew\u00f6hnlich das Gesamtwerk eines ausgew\u00e4hlten Schriftstellers vorgestellt, also s\u00e4mtliche Romane und Erz\u00e4hlungen. Insbesondere bei Autoren mit einem sehr umfangreichen Werk wie <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1087\">Ray Bradbury<\/a>, Isaac Asimov oder <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=257\">Robert Silverberg<\/a> bedeutet das sehr viel Lesestoff und Arbeit. Deshalb w\u00e4hlen die Autoren der Ausgaben auch nur Schriftsteller aus, die ihnen besonders am Herzen liegen und die eine wichtige Rolle in der Geschichte der SF-Literatur gespielt haben. Das Gesamtwerk eines Schriftstellers liest man nicht eben mal in einem halben Jahr und schreibt ein Buch dar\u00fcber, an manchen <em>SF Personality<\/em>-Ausgaben haben die Autoren vier bis sechs Jahre gearbeitet, in zwei F\u00e4llen sogar zehn Jahre. Wichtig dabei ist, dass auch die Nebenprojekte und unwichtigeren Texte vorgestellt werden, denn auch da verbergen sich oftmals Perlen, die es wiederzuentdecken gilt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/SFP_Z6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1074\" src=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/SFP_Z6.jpg\" alt=\"\" width=\"680\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/SFP_Z6.jpg 680w, https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/SFP_Z6-300x110.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Au\u00dferdem haben Sie eine Chronik der <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=25\">Hugo Awards<\/a> verfasst, einem der wichtigsten Genre-Preise. Wie sind Sie bei diesem Gro\u00dfprojekt vorgegangen und haben Sie die darin aufgef\u00fchrten Werke alle selbst gelesen?<\/strong><\/p>\n<p>An den drei B\u00e4nden zu den Hugo Awards habe ich gut zehn Jahre gearbeitet. Urspr\u00fcnglich hatte ich bereits ab 2001 eine Kolumne in ALIEN CONTACT, worin ich jeweils die Hugo-Gewinner eines Jahres vorgestellt habe. Nachdem ALIEN CONTACT eingestellt worden war, kam ich ein paar Jahre sp\u00e4ter auf die Idee, aus dieser Kolumne ein Buchprojekt zu machen, das sich schlie\u00dflich zu rund 1000 Buchseiten in drei B\u00e4nden ausgewachsen hat. Das bedeutete viel Lesestoff und jede Menge Recherche, aber auch viel Erkenntnisgewinn, denn ich wollte die angeblich wichtigsten SF-B\u00fccher kennen. Mit drei Ausnahmen, bei denen mich Christian Hoffmann unterst\u00fctzt hat, habe ich nat\u00fcrlich auch alle Hugo-Gewinner (und sogar viele Nominierte) gelesen. Das war nicht immer eine Freude, da sehr unterschiedliche Werke den Preis gewonnen haben. Viel Spa\u00df bei der Recherche haben mir aber auch die sogenannten \u00bbNebenpreise\u00ab zu Themen wie Fandom, Film oder Podcasts gemacht, denn da gab es unglaublich viel Interessantes zu entdecken.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Z_Hugo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-387\" src=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Z_Hugo.jpg\" alt=\"\" width=\"680\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Z_Hugo.jpg 680w, https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Z_Hugo-300x110.jpg 300w, https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Z_Hugo-624x229.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Was sind in Ihren Augen die wichtigsten SF-Werke und welche sind am meisten \u00fcberbewertet?<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00bbWichtigsten\u00ab oder \u00bbBesten\u00ab zu benennen ist kaum m\u00f6glich, weil die SF inzwischen eine so lange und breit gef\u00e4cherte Geschichte hat, dass es einfach zu viele B\u00fccher gibt, um eine Auswahl zu treffen. Wichtig sind aber zweifellos die B\u00fccher, die eine gro\u00dfe Leserschaft erreichen und damit eine Wirkung erzielen, wie zum Beispiel neue Denkanst\u00f6\u00dfe zu geben oder neue Sichtweisen auf allgemeine Probleme zu erm\u00f6glichen. Tats\u00e4chlich bieten meiner Meinung nach die f\u00fchrenden Genre-Literaturpreise eine ganz gute Orientierung, wenn auch nicht in jeden Fall. Ob ein Werk \u00fcberbewertet ist, h\u00e4ngt fast immer von der Lesebiografie und dem pers\u00f6nlichen Geschmack des Bewertenden ab. Mein pers\u00f6nliches Lieblingsbuch, unabh\u00e4ngig von seiner Qualit\u00e4t oder literarischen Bedeutung, ist \u00bbDie Mars-Chroniken\u00ab von Ray Bradbury.<\/p>\n<p><strong>Seit 2019 geben Sie <a href=\"https:\/\/shop.hirnkost.de\/produkt\/das-science-fiction-jahr-2021\/\"><em>Das Science Fiction Jahr<\/em><\/a> mit heraus, nachdem es kurz so ausgesehen hat, dass dieses Prestigeprojekt nicht weitergef\u00fchrt werden k\u00f6nnte. Ist das Jahrbuch nun f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre gesichert und wie sammeln Sie die Beitr\u00e4ge daf\u00fcr?<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/SFJahr2021.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1459\" src=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/SFJahr2021-189x300.jpg\" alt=\"\" width=\"189\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/SFJahr2021-189x300.jpg 189w, https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/SFJahr2021.jpg 629w\" sizes=\"(max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/><\/a>In so schwierigen Zeiten wie jetzt, in denen die Verlagsszene durcheinandergewirbelt wird, ist leider nichts sicher. Aber durch die gro\u00dfartige Unterst\u00fctzung der Leser und Fans bei der Crowdfunding-Kampagne im Dezember 2019 sieht es gut aus und l\u00e4sst uns berechtigt hoffen, dass wir <em>Das Science Fiction Jahr<\/em> noch viele Jahre herausgeben k\u00f6nnen. Die einzelnen Beitr\u00e4ge werden durch die Redaktion gesammelt. Wir \u00fcberlegen uns zun\u00e4chst gemeinsam ein Schwerpunktthema f\u00fcr eine Ausgabe, das m\u00f6glichst aktuell und f\u00fcr die Leser interessant ist. Dann recherchieren wir, wer zu diesem Thema \u00fcber Kompetenzen verf\u00fcgt und sprechen Autoren gezielt an. Manchmal werden auch unaufgefordert Manuskripte eingeschickt, \u00fcber die wir dann beratschlagen, ob sie ins Buch passen oder nicht. Im Moment k\u00f6nnen wir uns vor Beitr\u00e4gen kaum retten und m\u00fcssen leider gelegentlich auch eine Absage erteilen, damit das Jahrbuch nicht aus den N\u00e4hten platzt.<\/p>\n<p><strong>Allgemein scheint Ihnen die Sekund\u00e4rliteratur sehr wichtig zu sein. Sehen Sie da in Deutschland noch Nachholbedarf?<\/strong><\/p>\n<p>Einen gewaltigen. Im akademischen Bereich gibt es in den letzten Jahren immer mehr Arbeiten zur Phantastik, die sich aber oft nur mit ausgew\u00e4hlten Teilbereichen besch\u00e4ftigen. Echte Spezialisten, die \u00fcber ein fundiertes Wissen zur Geschichte der Phantastik verf\u00fcgen, gibt es aber leider in Deutschland nur sehr wenige. Im englischsprachigen Raum sieht es da deutlich besser aus, was sicherlich auch mit der Akzeptanz der Phantastik im akademischen Bereich zu tun hat. Sachb\u00fccher, die sich eher an den interessierten Fan wenden, gibt es leider noch viel weniger. Dieter von Reeken leistet mit seinem Verlag gro\u00dfartige Arbeit. Und wir bem\u00fchen uns bei Memoranda auch nach Kr\u00e4ften, immerhin besteht mehr als die H\u00e4lfte unseres Programms aus Sachb\u00fcchern.<\/p>\n<p><strong>Seit Dezember 2020 gibt es auch einen Podcast von Ihnen. Wie kam es zur Gr\u00fcndung und wen m\u00f6chten Sie damit erreichen?<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-928\" src=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/MSFP-Logo-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/MSFP-Logo-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/MSFP-Logo-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/MSFP-Logo-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/MSFP-Logo-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/MSFP-Logo-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/MSFP-Logo-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/>Als Verleger und Herausgeber kommt man mit vielen interessanten Personen in Kontakt, die jede Menge zu erz\u00e4hlen haben. Nicht alles eignet sich f\u00fcr die Schriftform. Der Memoranda Science Fiction Podcast, den ich gemeinsam mit Dominik Irtenkauf aufnehme, soll zum einen \u00fcber unsere Memoranda-Autoren informieren, zum anderen aber auch aktuelle Themen der SF und des B\u00fcchermachens pr\u00e4sentieren. Das ist zum einen ein kostenloser Service f\u00fcr unsere Leser, macht aber vielleicht auch ein paar Leute auf unseren Verlag aufmerksam, der nicht allzu viele Mittel f\u00fcr anderweitige Werbung in den Medien hat. Leider hat uns die Corona-Pandemie daran gehindert, allzu viele Interviewpartner pers\u00f6nlich zu treffen, daher mussten wir uns h\u00e4ufig mit Telefonaten behelfen. Der Podcast erscheint staffelweise, immer zehn Folgen im Wochentakt, sobald wir wieder zehn neue aufgenommen haben. Zu finden ist der Podcast \u00fcbrigens hier auf <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1188\">www.memoranda.eu<\/a> sowie bei Spotify und iTunes.<\/p>\n<p><strong>Womit besch\u00e4ftigen Sie sich abseits der Fantastik? Haben Sie \u00fcberhaupt noch die Zeit f\u00fcr andere Interessen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich h\u00f6re schon immer sehr viel Musik, vorzugsweise von Vinyl. In Berlin gibt es zum Gl\u00fcck viele Plattenl\u00e4den, in denen fast jede Neuerscheinung zu finden ist. Vor vielen Jahren habe ich selbst einige St\u00fccke komponiert, unter anderem die Soundtracks f\u00fcr zwei Programme des Zeiss Gro\u00dfplanetariums in Berlin. Daf\u00fcr fehlt mir jetzt leider die Zeit. Au\u00dferdem sorgt unser Hund Jerry daf\u00fcr, dass ich nicht allzu viel vor dem Computer sitze.<\/p>\n<p><strong>Welches Lieblingsprojekt w\u00fcrden Sie gerne realisieren, wenn es keine finanziellen oder sonstigen Beschr\u00e4nkungen g\u00e4be?<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde gern grundlegende englischsprachige Sachb\u00fccher, die ich f\u00fcr sehr wichtig halte, in deutscher \u00dcbersetzung bringen. Und vielleicht eine Reihe literarischer SF-Klassiker, die es verdient h\u00e4tten, in sch\u00f6nen Hardcoverausgaben zu erscheinen. Vielleicht ergibt sich ja das eine oder andere Projekt, wir werden sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Bernd Joo\u00df [Das nachfolgende Interview f\u00fchrte Bernd Joo\u00df im Fr\u00fchjahr 2021 mit Hardy Kettlitz f\u00fcr die Zeitschrift phantastisch!, wo es in Ausgabe 83 erschien.] Hardy Kettlitz ist ein Name, \u00fcber den sicher viele Leser der phantastisch! schon einmal gestolpert sind, selbst wenn sie nicht wissen, wer genau sich dahinter verbirgt.\u00a0Hardy Kettlitz wurde 1966 in &hellip; <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1452\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Interview mit Hardy Kettlitz<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1452","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.memoranda.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1452"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.memoranda.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.memoranda.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.memoranda.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.memoranda.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1452"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.memoranda.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1452\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1462,"href":"https:\/\/www.memoranda.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1452\/revisions\/1462"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.memoranda.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1452"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}