{"id":1060,"date":"2021-02-20T21:36:06","date_gmt":"2021-02-20T19:36:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1060"},"modified":"2023-02-13T12:07:35","modified_gmt":"2023-02-13T10:07:35","slug":"das-steinmueller-universum","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1060","title":{"rendered":"Das Steinm\u00fcller-Universum"},"content":{"rendered":"<h4>Anmerkungen zur Entstehung und Entwicklung eines Zyklus<\/h4>\n<h5>von Erik Simon<\/h5>\n<p>Nichts h\u00e4lt so lange wie ein Provisorium, und so hat sich auch die zun\u00e4chst nur provisorisch verwendete Bezeichnung f\u00fcr jene Werke von Angela und Karlheinz Steinm\u00fcller, die als Hintergrund einen wenn nicht einheitlichen, so doch koh\u00e4renten Weltentwurf haben, bis heute gehalten und gefestigt. Und es ist eine durchaus passende Bezeichnung, wie sich im Laufe der Entwicklung jenes Zyklus gezeigt hat (und sich im Laufe dieses Artikels alsbald zeigen wird). Denn obwohl die Handlung einen Zeitraum von \u00fcber zwei Jahrtausenden umfasst und einige Erz\u00e4hlungen Ausblicke in noch viel fernere Zuk\u00fcnfte andeuten, haben wir hier keine <em>Future History<\/em> im herk\u00f6mmlichen Sinne, eher schon mehr als nur eine: Wir haben ein <em>Universum<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/STM-Universum7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1900\" src=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/STM-Universum7.jpg\" alt=\"\" width=\"680\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/STM-Universum7.jpg 680w, https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/STM-Universum7-300x110.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Rede ist von sieben B\u00fcchern, die zun\u00e4chst einmal in der Reihenfolge ihrer Erstver\u00f6ffentlichung (ungeachtet \u00e4lterer Bestandteile und sp\u00e4terer \u00dcberarbeitungen) aufgez\u00e4hlt sein sollen: <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=265\"><em>Andymon<\/em><\/a> (Roman, 1982), <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1046\"><em>Pulaster<\/em><\/a> (Roman, 1986), <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=445\"><em>Der Traummeister<\/em><\/a> (Roman, 1990), <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1583\"><em>Warmzeit<\/em><\/a> (Erz\u00e4hlungen, 2003), <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=319\"><em>Spera<\/em><\/a> (Roman in Erz\u00e4hlungen, 2004), <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=197\"><em>Die Wurmloch-Odyssee<\/em><\/a> (Mosaikroman, 2014) und <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=351\"><em>Sph\u00e4renkl\u00e4nge<\/em><\/a> (Erz\u00e4hlungen, 2019). Die Chronologie der Handlung weicht davon teilweise ab \u2013 sie hat sich erst nach und nach in dem Ma\u00dfe ergeben, wie urspr\u00fcnglich isolierte Teile dieses Universums sich sowohl in sich entfalteten als auch zusammenwuchsen. Denn \u2013 um eine Paraphrase der Steinm\u00fcllers wiederum zu paraphrasieren [1] \u2013 niemand hatte die Absicht, einen Zyklus zu schreiben, der solch ein Universum aufspannt. Zumindest nicht anfangs, als weitgehend unabh\u00e4ngig voneinander die vier Keimzellen des Zyklus entstanden.<\/p>\n<p>Den Anfang bildeten Raumfahrt- und Robotergeschichten in jener nie \u00fcberholten Machart, die sich auf angloamerikanische Klassiker des Genres wie Asimov, Clarke und Simak zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4sst, ja sogar bis in die Drei\u00dfigerjahre auf Weinbaum. Die meisten davon erschienen zun\u00e4chst nur unter dem Namen von Karlheinz, obwohl Angela schon Etliches dazu beigetragen hatte, so 1977 in dem Band <em>Der letzte Tag auf der Venus<\/em>, und sie spielten gr\u00f6\u00dftenteils innerhalb unseres Sonnensystems. Einen Fokus fanden sie 1984 in der Erz\u00e4hlung \u00bbKorallen des Alls\u00ab, die unter Raumfahrern im \u00bbBelt\u00ab spielt, also im Planetoideng\u00fcrtel, wo zwar nicht gleich eine neue Zivilisation, wohl aber eine neue Lebensweise entstanden ist. Ebendort sind einige weitere in den Siebziger- und fr\u00fchen Achtzigerjahren verfasste Erz\u00e4hlungen angesiedelt, und viele der anderen fr\u00fchen Raumfahrtgeschichten lagern sich diesem Kern zwanglos an.<\/p>\n<p>Unterdessen war mit dem Roman <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=265\"><em>Andymon<\/em><\/a>, dem ersten erkl\u00e4rterma\u00dfen von beiden Steinm\u00fcllers gemeinsam verfassten Buch, der zweite Keim ihres Universums aufgetaucht \u2013 zun\u00e4chst ohne jeden Zusammenhang mit den erw\u00e4hnten Erz\u00e4hlungen. Das Buch tr\u00e4gt den Untertitel \u00bbEine Weltraum-Utopie\u00ab, und das ist es nicht nur im Sinne eines positiven (und phantastischen) Gesellschaftsentwurfs, sondern auch im ganz w\u00f6rtlichen, handelt es doch an \u2013 und von \u2013 einem <em>u-topos<\/em>, einem Nicht-Ort. Dabei ist es eindeutig Science Fiction, denn jener Nicht-Ort ist ein riesiges interstellares Raumschiff, das Jahrhunderte oder Jahrtausende unterwegs war, von einer k\u00fcnstlichen Intelligenz gesteuert, ehe es kurz vor dem Ziel seine Besatzung aus mitgef\u00fchrten, tiefgefrorenen befruchteten Eizellen \u00bbausbr\u00fctet\u00ab, von Maschinen geb\u00e4ren und von Robotern aufziehen l\u00e4sst. Der Roman handelt von Kindheit und Jugend dieser Schiffsgeborenen und davon, wie sie den Zielplaneten terraformieren und zu besiedeln beginnen.<\/p>\n<p>Sie entwickeln dabei verschiedene Lebensentw\u00fcrfe und verteidigen deren Vielfalt. Das freie Nebeneinander dieser Entw\u00fcrfe, die allumfassende Aufbruchstimmung des Neubeginns ist das eigentlich utopische Element des Romans (unbeschadet der originellen technischen Raumfahrtutopie), und es funktioniert so gut, weil die Welt dieser Utopie, das Schiff und der Planet Andymon, gegen die irdische Welt mit ihren zahllosen Unw\u00e4gbarkeiten isoliert sind \u2013 r\u00e4umlich sowieso, und zeitlich dadurch, dass die Siedler zwar \u00fcber fast das ganze Wissen der Menschheit verf\u00fcgen, die Informationen aber mit dem Jahr 2000 abrupt enden; auch \u00fcber die Vorgeschichte ihres Siedlungsprojekts und dar\u00fcber, welche Zwecke die Erbauer des Schiffes verfolgten, wissen sie nichts. Es versteht sich damit von selbst, dass zwischen <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=265\"><em>Andymon<\/em><\/a> und den in einer relativ nahen Zukunft im Sonnensystem spielenden Raumfahrtgeschichten der Steinm\u00fcllers zun\u00e4chst keinerlei Verbindungen bestanden.<\/p>\n<p>Wiederum deutlich abgesetzt, wenn auch nicht ganz so strikt separiert war die dritte Quelle des Steinm\u00fcller-Universums, der Roman <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1046\"><em>Pulaster<\/em><\/a>. Obwohl die ganze Handlung auf dem gleichnamigen, von intelligenten Sauriern bev\u00f6lkerten Planeten spielt, kommt im Hintergrund recht deutlich die <em>Flotte<\/em> ins Bild, die mit ihren interstellaren Schiffen und St\u00fctzpunkten eine menschliche, aber von der Erde unabh\u00e4ngige Zivilisation mit einer eigenen, sehr spezifischen Lebensweise bildet. Die Lebensweise ergibt sich vor allem daraus, dass die Schiffe mit maximal einem Drittel der Lichtgeschwindigkeit fliegen und die Besatzung gro\u00dfe Teile des Fluges in Anabiose zubringt; zusammen mit Zeitdilatations-Effekten f\u00fchrt das zum Zusammentreffen von Abk\u00f6mmlingen verschiedener Jahrhunderte und zu besonderen Formen der individuellen Lebensplanung. Dieser Hintergrund nun spannt mit der Geschichte der Flotte schon eine Jahrhunderte umfassende historische Perspektive auf, auch Entwicklungen auf der Erde finden Erw\u00e4hnung. Mehrfach wird auf den Belt Bezug genommen, wo Schiffe der Flotte gebaut werden und woher eine der Hauptpersonen stammt; so entsteht eine erste zeitliche Querverbindung im Zyklus.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist, dass alle Kerne des Steinm\u00fcller-Universums in der ersten H\u00e4lfte der Achtzigerjahre entstanden (mit einem Vorlauf in den Siebzigern), dies gilt auch f\u00fcr den vierten, die 1980 verfasste und 1984 ver\u00f6ffentlichte Erz\u00e4hlung \u00bbDer Tr\u00f6delmond beim Toliman\u00ab. Auf der fremden Welt, auf der ein Raumfahrer von der Erde den Abflug seines Schiffes verpasst, wimmelt es von allen m\u00f6glichen exotischen Arten von Aliens und m\u00e4rchenhaften SF-Artefakten; Das, sollte man meinen, kann schwerlich dieselbe Zukunft, dasselbe Universum sein wie jenes, in dem die Flotte brav im Unterlichtbereich fliegt und die Saurier auf ihrem abgelegenen Pulaster die einzigen intelligenten Au\u00dferirdischen zu sein scheinen \u2013 w\u00e4hrend der au\u00dferirdisch stark frequentierte Toliman, auch bekannt als Alpha Centauri, ja gerade vor der Haust\u00fcr der Erde liegt. Doch der Schein tr\u00fcgt, wie es ja seine Art ist, und es konnte bewiesen werden, dass die Raumzeit des Steinm\u00fcller-Universums \u2013 vor allem auf der Zeitkoordinate \u2013 auch daf\u00fcr Platz hat.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst jedoch begann einer der anderen Keime zu wachsen, und zwar einer, von dem man es wegen seiner Isolation wohl am wenigsten erwartet h\u00e4tte: Just der feste Platz, den <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=265\"><em>Andymon<\/em><\/a> im Schaffen der Steinm\u00fcllers hat, verhindert seine weitere sujetm\u00e4\u00dfige An- und Einbindung, die das Wesen der Utopie einschr\u00e4nken, wenn nicht besch\u00e4digen w\u00fcrde. Doch die Autoren haben dieser Welt ein Pendant gegeben \u2013 einen anderen Planeten namens Spera, der von einem anderen, aber ebensolchen Schiff erreicht wird, mit demselben Ziel der Besiedlung und offensichtlich auch mit einer \u00e4hnlichen genetisch-sozialdynamischen Pr\u00e4disposition der Schiffsgeborenen. (Sogar manche von den an diverse Alphabete angelehnten Personennamen aus <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=265\"><em>Andymon<\/em><\/a> tauchen sp\u00e4ter auf Spera als Geschlechternamen wieder auf.) Dort nun loten sie einen anderen, logisch naheliegenden und in der SF traditionsreichen Aspekt aus, den der <em>lost<\/em> oder auch <em>fallen colony<\/em>. \u00bbVerloren\u00ab ist die Kolonie per definitionem, da ja keinerlei Kontakt zu anderen Welten besteht; und dass auch ein paar Tausend Siedler keine hochtechnisierte Zivilisation aufrechterhalten k\u00f6nnen, ist der wahrscheinlichste Fall. Auf Spera tritt er ein, beg\u00fcnstigt durch einen irrationalen Drang der Siedler \u00bbzur\u00fcck zur Natur\u00ab (der sich \u00fcbrigens auch bei einer der Gruppen auf Andymon andeutete) und durch die von ihnen schlicht \u00fcbersehene Tatsache, dass es auf dem Planeten eine einheimische gestaltwandlerische Lebensform gibt, die schlie\u00dflich sogar Menschen zu imitieren lernt.<\/p>\n<p>Die Steinm\u00fcllers haben nahezu gleichzeitig die ersten auf dem Planeten Spera angesiedelten Erz\u00e4hlungen geschrieben \u2013 zuerst erschienen 1985 in Anthologien \u00bbDie Herren des Planeten\u00ab, \u00bbDer Held im Gl\u00e4sernen Berg\u00ab und \u00bbDas Wunderelixier\u00ab \u2013 und an dem ebenda spielenden Roman <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=445\"><em>Der Traummeister<\/em><\/a> gearbeitet. Der Roman wurde 1990 ver\u00f6ffentlicht (mit erheblicher Versp\u00e4tung, die gr\u00f6\u00dftenteils auf das Konto des von den Autoren gew\u00fcnschten Illustrators ging); die Zahl der Erz\u00e4hlungen wuchs danach weiter und komplettierte sich schlie\u00dflich zu <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=319\"><em>Spera<\/em><\/a>, dem 2004 ver\u00f6ffentlichten Roman in Erz\u00e4hlungen. Darin wird nun wahrlich genug Historie ausgebreitet (nur eben keine irdische oder universale Zukunftsgeschichte); die Geschichten umfassen vom Niedergang der Kolonie \u00fcber Barbarei und Mittelalter bis zu einer Renaissance und der Wiedergewinnung der Raumfahrt einen Zeitraum von gut tausend irdischen Jahren. Science Fiction sensu stricto wechselt sich mit M\u00e4rchen und Legenden ab, wodurch auch Fantasy-Elemente in das Buch kommen, und nicht nur diese Mischung, sondern auch die zwischen die Erz\u00e4hlungen eingef\u00fcgten kurzen, vignettenhaften Momentaufnahmen lassen an Struktur und Atmosph\u00e4re von Bradburys <em>Mars-Chroniken<\/em> denken. (<a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=445\"><em>Der Traummeister<\/em><\/a>, dessen Handlung nur ein paar Monate umfasst, ordnet sich in den Weltentwurf und seine Historie nahtlos ein.)<\/p>\n<p>Und was Andymon \u2013 zumindest in dem von der bekannten Chronologie der Relativistischen Flotte erfassten Zeitraum \u2013 nicht verg\u00f6nnt ist, widerf\u00e4hrt dem Planeten Spera: Ihn erreicht, als er gerade in die fr\u00fche Neuzeit der Siedlergeschichte eingetreten ist, ein anderes Raumschiff \u2013 wie man sich aus Details in <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=319\"><em>Spera<\/em><\/a> und im <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=445\"><em>Traummeister<\/em><\/a> zusammenreimen kann, ein Erkundungsschiff der Relativistischen Flotte mit einer Pilotin, die eine Bruchlandung auf dem Planeten \u00fcberlebt, aber (anders als ihr abst\u00fcrzendes Schiff) unbemerkt bleibt und nur sehr indirekt auf die Geschichte Speras einwirkt. So wird ein Bindeglied zwischen zwei ansonsten separaten Dom\u00e4nen des Steinm\u00fcller-Universums konstituiert.<\/p>\n<p>Eine andere solche Querverbindung schufen die Steinm\u00fcllers mit ihrer Erz\u00e4hlung (oder, wenn man so will, Skizze) \u00bbDas Auswandererschiff\u00ab, die 1999 den Abschluss ihres Sachbuches <em>Visionen 1900 \u00b7 2000 \u00b7 2100<\/em> bildete. Darin wird geschildert, wie Ende des 21. Jahrhunderts eins der riesigen Siedlerschiffe zum Start vorbereitet wird. (Es ist das Andymon-Schiff, aber das erfuhren wir erst anno 2019 beil\u00e4ufig in der Chronologie der Relativistischen Flotte.) Der Text r\u00fcckte dann folgerichtig ans Ende des Bandes <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1583\"><em>Warmzeit<\/em><\/a>, der im 21. Jahrhundert spielende Erz\u00e4hlungen versammelt \u2013 sowohl die schon erw\u00e4hnten Geschichten von Raumfahrt im Sonnensystem als auch etliche nicht unmittelbar damit verbundene, aber kompatible Begebenheiten auf der Erde, wo eine Vielfalt von technischen, biologischen und sozialen Neuerungen bef\u00fcrchten l\u00e4sst, dass das traditionell-humanistisch gepr\u00e4gte Wesen des Menschen sich aufl\u00f6st, zerfasert \u2013 das Siedlungsprojekt soll dem \u00bbwahren\u00ab, nat\u00fcrlichen Menschen fernab dieser Anfechtungen eine \u00dcberlebenschance bieten. (Die Andymonier und Speraner scheinen davon nichts zu wissen, doch erkl\u00e4rt sich auf diese Weise zwanglos, warum man ihnen das Wissen um die Zeit nach dem Jahr 2000 vorenthalten hat.[2])<\/p>\n<p>Dass schlie\u00dflich auch \u00bbDer Tr\u00f6delmond beim Toliman\u00ab einen Platz im Steinm\u00fcller-Universum fand, geht zu einem wesentlichen Teil auf meine Initiative zur\u00fcck: Ich habe diesen Text schon bei seinem Erscheinen f\u00fcr den idealen Einstieg zu einem Roman oder einem Zyklus in einem bunten, exotischen Universum gehalten, und als eine von Olaf R. Spittel konzipierte Anthologie etlichen DDR-Autoren vorschlug, sich vom Tr\u00f6delmond inspirieren zu lassen, schrieb ich eine Fortsetzung, die zun\u00e4chst das weitere Schicksal des Schiffes schilderte, wo man viel zu sp\u00e4t bemerkt hat, dass ausgerechnet der Navigator abg\u00e4ngig ist. (Mehr zur Entstehungsgeschichte steht in den Anmerkungen zum Band <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=197\"><em>Die Wurmloch-Odyssee<\/em><\/a>.) Dass ich dabei allerlei Realien aus der Welt der Relativistischen Flotte erw\u00e4hnte und sogar eine Randfigur aus <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1046\"><em>Pulaster<\/em><\/a> \u00fcbernahm, war zun\u00e4chst vor allem dem Spieltrieb geschuldet, aber die Steinm\u00fcllers haben beides \u2013 die Fortsetzung der Geschichte und die Anbindung an ihr Universum \u2013 aufgegriffen, und das Ergebnis war unser Mosaikroman <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=197\"><em>Die Wurmloch-Odyssee<\/em><\/a>, der einerseits das weitere Schicksal des zur\u00fcckgebliebenen Navigators, andererseits das seines Schiffes verfolgt und in einer Episode sogar eine der Siedlerwelten ins Bild setzt. Logischerweise muss die Epoche der auch nicht ganz einfachen, aber jedenfalls viel schnelleren interstellaren Reisen durch Wurml\u00f6cher nach der Bl\u00fctezeit der Relativistischen Flotte liegen; letztere kommt aber immer noch als pr\u00e4gende Vorgeschichte vor \u2013 und mitunter als Gegenstand der Nostalgie. Dass Zeit und Kosmos der Wurmlochfahrer dennoch eher eine Nebenstr\u00f6mung im Steinm\u00fcller-Universum geblieben sind, liegt nicht an einem Mangel an Querbez\u00fcgen, sondern an der doch deutlich anderen Atmosph\u00e4re \u2013 <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=197\"><em>Die Wurmloch-Odyssee<\/em><\/a> mit ihrem humoristisch-satirisch-parodistischen Duktus ist, wie der Untertitel verr\u00e4t, keine Space Opera, sondern \u00bbEine Weltraum-Operette\u00ab.<\/p>\n<p>Das eigentliche Zentrum des Steinm\u00fcller-Universums, die Welt der Relativistischen Flotte, war lange Zeit nur durch den Roman <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1046\"><em>Pulaster<\/em><\/a> vertreten (dazu noch durch die Erz\u00e4hlung \u00bbRitus der Verg\u00e4nglichkeit\u00ab (1979), die zu den Fr\u00fchwerken der Steinm\u00fcllers geh\u00f6rt, aber schon im Roman durch Erw\u00e4hnung ihrer Protagonisten einbezogen wurde). Das hat sich nun mit neunten Band in der Werkausgabe der Steinm\u00fcllers, <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=351\"><em>Sph\u00e4renkl\u00e4nge<\/em><\/a>, ge\u00e4ndert. Die insgesamt zw\u00f6lf Erz\u00e4hlungen begleiten die Entwicklung der Relativistischen Flotte vom 23. bis ins 31. Jahrhundert \u2013 bis kurz vor die in <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1046\"><em>Pulaster<\/em><\/a> geschilderten Ereignisse. Damit gewinnt auch diese Provinz des Steinm\u00fcller-Universum eine Zeitdimension, und es entsteht in der Tat so etwas wie eine Future History \u2013 allerdings eine partielle, beschr\u00e4nkt auf Angelegenheiten und Aktionsbereich der Flotte. In zwei der Geschichten spielt das Thema der Siedlerschiffe und -welten eine zentrale Rolle; eine davon greift punktuell ins 43. Jahrhundert aus (auch die Besiedlung von Spera und Andymon erfolgt ganz unabh\u00e4ngig von der Relativistischen Flotte erst nach Fabius Grossers Abenteuern auf Pulaster); zwei andere bieten zwei kurze Ausblicke in noch fernere, nicht mehr konkret datierte Zeiten. Ein Anhang \u00bbZur Chronologie der Relativistischen Flotte\u00ab in <em>Sph\u00e4renkl\u00e4nge<\/em> stellt das ausf\u00fchrlicher dar.<\/p>\n<p>Von den bisher erschienenen zehn B\u00e4nden der Steinm\u00fcller\u2019schen Werkausgabe spielen nur drei, <em>Computerd\u00e4mmerung<\/em> (Band 6, 2010), <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=201\"><em>Leichter als Vakuum<\/em><\/a> (Band 8, mit E. Simon, 2017) und <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=790\"><em>Marslandschaften<\/em><\/a> (Band 10, 2020), au\u00dferhalb des Steinm\u00fcller-Universums. Die B\u00e4nde 1 bis 5 und 7 sind in der chronologischen Ordnung der Handlung erschienen \u2013 freilich mit der Besonderheit, dass die drei auf den Siedlerwelten Andymon beziehungsweise Spera spielenden Romane nicht nach der Handlung auf jenen Planeten eingeordnet sind, sondern nach dem Start der Schiffe. Das hat insofern Sinn, als die Besatzungen ja erst nach jahrhundertelangem Flug auf ebenjenem technischen Niveau beginnen, welches die Autoren f\u00fcr 2100 annehmen; f\u00fcr die Siedler existiert die Zeitspanne dazwischen praktisch nicht. <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=351\"><em>Sph\u00e4renkl\u00e4nge<\/em><\/a>, der vorerst letzte Band im Steinm\u00fcller-Universum, setzt zwar ziemlich fr\u00fch in der Geschichte der Relativistischen Flotte ein, reicht aber mit den beiden letzten Erz\u00e4hlungen am weitesten in die Zukunft. Es ergibt sich also folgende chronologische Ordnung der B\u00e4nde:<\/p>\n<p>Band 1: <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1583\"><em>Warmzeit. Geschichten aus dem 21. Jahrhundert\u00a0<\/em><\/a><br \/>Siedlerwelten (Startpunkt, die eigentliche Handlung findet viel sp\u00e4ter statt):<br \/>Band 2:\u2003<a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=265\"><em>Andymon. Eine Weltraum-Utopie<\/em><\/a><br \/>Band 3:\u2003<a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=319\"><em>Spera. Ein phantastischer Roman in Erz\u00e4hlungen<\/em><\/a><br \/>Band 4:\u2003<a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=445\"><em>Der Traummeister. Ein Spera-Roman<\/em><\/a><br \/>Band 9: <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=351\"><em>Sph\u00e4renkl\u00e4nge. Geschichten von der Relativistischen Flotte<\/em><\/a> (der Gro\u00dfteil der Erz\u00e4hlungen)<br \/>Band 5: <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=1046\"><em>Pulaster. Roman eines Planeten<\/em><\/a><br \/>Band 7: <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=197\"><em>Die Wurmloch-Odyssee. Eine Weltraum-Operette<\/em><\/a><br \/>Band 9: <a href=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?page_id=351\"><em>Sph\u00e4renkl\u00e4nge. Geschichten von der Relativistischen Flotte<\/em><\/a> (die Erz\u00e4hlungen am Schluss des Bandes)<\/p>\n<p>Eine erste Orientierungshilfe zur Abfolge der Ereignisse im Steinm\u00fcller-Universum ist in Band 1 das belletristisch gestaltete \u00bbKurzinfo Weltraumkolonisation\u00ab; ausf\u00fchrlichere Daten bieten Tabellen \u00bbZur Chronologie Speras\u00ab in Band 3, zur \u00bbChronologie\u00ab Pulasters in der Neuausgabe von Band 5 und \u00bbZur Chronologie der Relativistischen Flotte\u00ab in Band 9. Wie bei unserem realen Weltall steht auch beim Steinm\u00fcller-Universum noch nicht fest, ob es nun in Raum und Zeit offen oder geschlossen ist und wie lange sich seine Expansion fortsetzt. Flach ist es jedenfalls nicht.<\/p>\n<p>Fu\u00dfnoten:<\/p>\n<p>[1] \u00bbNiemand hatte die Absicht, eine Wurmloch-Odyssee zu schreiben\u00ab, erkl\u00e4rten die Steinm\u00fcllers apologetisch in der Vorbemerkung zu ebenjenem Band.<\/p>\n<p>[2] Als sie <em>Andymon<\/em> schrieben, wussten die Steinm\u00fcllers das selbst noch nicht; damals wollten sie vor allem ideologischen Pflicht\u00fcbungen ausweichen, denn im FDJ-Verlag Neues Leben galt es als ausgemacht, dass die ganze Welt nach 2000 kommunistisch sein w\u00fcrde. Man kann das im Nachwort zu <em>Andymon<\/em> nachlesen, und zwar just in den nach 2000 erschienenen Ausgaben.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>(Dieser Beitrag erschien zuerst in <a href=\"https:\/\/shop.hirnkost.de\/produkt\/das-science-fiction-jahr-2019\/\"><em>Das Science Fiction Jahr 2019<\/em><\/a>, Hirnkost Verlag, 2020)<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-3 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"520\" height=\"855\" src=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Steinmueller_Der_letzte_Tag_auf_der_Venus_kompass_247-1.jpg\" alt=\"\" data-id=\"1138\" data-full-url=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Steinmueller_Der_letzte_Tag_auf_der_Venus_kompass_247-1.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?attachment_id=1138\" class=\"wp-image-1138\" 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class=\"blocks-gallery-item__caption\">Das Neue Berlin, 1984<\/figcaption><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"520\" height=\"750\" src=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Steinmueller5_Pulaster_NL.jpg\" alt=\"\" data-id=\"1141\" data-full-url=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Steinmueller5_Pulaster_NL.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?attachment_id=1141\" class=\"wp-image-1141\" srcset=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Steinmueller5_Pulaster_NL.jpg 520w, https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Steinmueller5_Pulaster_NL-208x300.jpg 208w\" sizes=\"(max-width: 520px) 100vw, 520px\" \/><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Neues Leben, 1986<\/figcaption><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"520\" height=\"822\" src=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Steinmueller_Geschichten_vom_Troedelmond_DNB.jpg\" alt=\"\" data-id=\"1142\" data-full-url=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Steinmueller_Geschichten_vom_Troedelmond_DNB.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/?attachment_id=1142\" class=\"wp-image-1142\" srcset=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Steinmueller_Geschichten_vom_Troedelmond_DNB.jpg 520w, https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Steinmueller_Geschichten_vom_Troedelmond_DNB-190x300.jpg 190w\" sizes=\"(max-width: 520px) 100vw, 520px\" \/><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\">Das Neue Berlin, 1990<\/figcaption><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"520\" height=\"808\" src=\"https:\/\/www.memoranda.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Steinmueller4_Der_Traummeister_DNB.jpg\" alt=\"\" data-id=\"1143\" 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